Wenn nach kurzer oder langer Zeit, nach intensiver Behandlung und vielem Hoffen und Sorgen klar wird, dass Ihr Kind nicht mehr geheilt werden kann, ist das unfassbar traurig. Nichts fühlt sich mehr selbstverständlich an. Dieser Text möchte Anregungen teilen, die andere Familien in einer ähnlichen Situation als hilfreich erlebt haben. Bitte verstehen Sie diese Gedanken als Angebote. Sie werden Ihren eigenen Weg finden – den, der für Sie und Ihr Kind richtig ist.
Vom Kämpfen zum Loslassen
Viele Eltern erleben es als eine große Herausforderung, im unermüdlichen Kämpfen um das Leben ihres Kindes, den Gedanken an ein mögliches Versterben zuzulassen. In vielen Familien machen sich die Angehörigen während der Erkrankung Gedanken darüber, wie es weitergehen könnte und welchen Ausgang die Erkrankung nehmen kann. Zeichnet sich im Verlauf ein palliativer Weg ab, erleben manche Eltern neben tiefer Trauer auch eine Form von Erleichterung, z.B. weil die Zeit der Ungewissheit endet. Solche widersprüchlichen Gefühle können verunsichern oder Schuldgefühle auslösen. Bitte seien Sie geduldig und nachsichtig mit sich. Alles, was Sie denken und fühlen, ist Teil dieser Erfahrung.
Das Behandlungsteam an Ihrer Seite
In dieser schweren Zeit sind Sie nicht allein. Das Behandlungsteam begleitet Sie und Ihr Kind weiterhin und bespricht mit Ihnen, wie die kommende Zeit gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt steht jetzt, dass Ihr Kind keine Schmerzen oder belastenden Beschwerden hat und sich so wohl und geborgen wie möglich fühlen kann. Auch das Thema Organspende kann in gewissen Fällen angesprochen werden. Dieser Gedanke mag im Moment fern oder kaum vorstellbar erscheinen. Dennoch ist es wichtig, dass Sie gut informiert sind und in Ruhe entscheiden können.
Abschied nehmen
Auch wenn Ihr Kind aufgrund seiner Erkrankung oder durch die Medikamente nicht wach ist, können Sie davon ausgehen, dass es Ihre Nähe spürt und oft sogar Ihre Stimme hören kann. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Kind zu sprechen. Viele Eltern berichten später, dass sie froh sind, ihrem Kind alles gesagt zu haben, was ihnen wichtig war.
Nehmen Sie sich Zeit – für Ihr Kind und für sich selbst. Finden Sie Ihre eigenen Worte und Gesten des Abschieds. Vielleicht möchten Sie:
- mit Ihrem Kind sprechen oder ihm etwas erzählen
- ein vertrautes Lied vorsingen oder vorspielen
- eine Lieblingsgeschichte vorlesen
- einen vertrauten Duft verwenden
- Ihr Kind halten, streicheln oder einfach bei ihm sitzen
Sie wissen, was Ihrem Kind und Ihnen guttut. Nähe kann sehr wertvoll sein – ebenso ist es in Ordnung, Abstand zu halten, wenn sich das für Sie stimmiger anfühlt. Teilen Sie auch dem Behandlungsteam Ihre Wünsche und Bedürfnisse mit, damit gemeinsam der Abschied für Sie und Ihre Familie stimmig gestaltet werden kann.
Wenn ein Kind auf der Intensivstation stirbt
Auf einer Intensivstation bedeutet Sterben häufig, dass lebenserhaltende Medikamente und Geräte schrittweise reduziert oder beendet werden. Dieser Prozess wird mit Ihnen sorgfältig besprochen. In der Regel gibt es ausreichend Zeit, damit wichtige Bezugspersonen anwesend sein können.
Unabhängig davon, wie viel Zeit Sie mit Ihrem Kind verbringen durften – das Schaffen bleibender Erinnerungen ist für viele Familien bedeutsam. Kleine Rituale können helfen, Verbundenheit auszudrücken und Erinnerungen zu bewahren, zum Beispiel:
- Hand- und Fußabdrücke (mit Fingerfarben oder mit Gips abnehmen)
- eine Haarsträhne abschneiden
- Fotos und Videos von dem Kind machen (besprechen Sie das Vorgehen mit dem Behandlungsteam)
- einen Brief schreiben/ Erinnerungskerze gestalten/ Bild malen
Zeit für den Abschied:
Auf vielen Stationen ist es möglich, nach dem Tod noch eine Weile mit Ihrem Kind im vertrauten Zimmer zu bleiben und dort in Ruhe Abschied zu nehmen. Viele Kliniken haben außerdem einen eigenen Abschiedsraum, in dem Ihr Kind aufgebahrt werden kann. Auch dort haben Sie Zeit, bei Ihrem Kind zu sein und sich auf Ihre ganz persönliche Weise zu verabschieden. Für Eltern und Geschwister kann es hilfreich sein, das verstorbene Kind noch einmal zu sehen, zu berühren und die körperlichen Veränderungen bewusst wahrzunehmen. Dies kann dabei helfen, langsam zu begreifen, was geschehen ist, und das zunächst Unfassbare ein Stück weit fassbarer zu machen.
Unterstützung annehmen
Sie dürfen sich jederzeit vom psychosozialen Team begleiten lassen – in Gesprächen, bei organisatorischen Fragen oder in der Unterstützung Ihrer Familie. Auch die Begleitung von Geschwistern kann gemeinsam geplant werden.
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie viel Kraft!
Zusatzinformationen
Autor*innen: Dr. M. Sc. Psych. Chu-Won Sim, Psychologin
Redaktion: Dr. Marie-Madlen Jeitziner, RN; Maria Brauchle, RN; PD. Mag. Dr. Magdalena Hoffmann, MSc, MBA, RN
Datum: 01.08.2026
Version: 1.0
Copyright-Vermerk für Fotos: Magdalena Hoffmann
Weiterführende Literatur:
• Roland Kachler u.a. „Meine Trauer wird dich finden“, Herder Verlag • Andreas Schulze & Wolfram Schulze „Wenn ein Kind gestorben ist oder Die Farben der Trauer“, Verlag Oberstebrink • Maria Farm & Bianca Schalburg „Wie lange dauert Traurigsein?“, Verlag Oetinger • Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V. https://veid.de/ • Angebote für verwaiste Eltern und Geschwister in Österreich: https://www.kinder-hospiz.at/betroffene-familien/angebote-fuer-verwaiste-eltern/ • Sammlung hilfreicher Angebote in der Schweiz:https://trauernhilft.ch/
